Zusammenfassung Der Vertrag von Locarno, 16. Oktober 1925 / Bayerische Staatsbibliothek (BSB, München)

Der Vertrag von Locarno, 16. Oktober 1925

Zusammenfassung

Die Locarno-Verträge, die am 16. Oktober 1925 zwischen den wichtigsten europäischen Staaten (mit Ausnahme der Sowjetunion) geschlossen wurden, legten eine gemeinsame Sicherheitsregelung gemäß dem Prinzip der friedlichen Streitschlichtung fest und fügten sie in den Rahmen des Völkerbundes ein. Sie enthielten eine Garantie der "Unverletzlichkeit" des Status quo an der deutschen Westgrenze und der entmilitarisierten Zone am Rhein und wurden durch ein auch Polen und die Tschechoslowakei einbeziehendes Schiedsvertragssystem ergänzt. Mit dieser grundlegenden Verständigung der führenden europäischen Großmächte Frankreich, Großbritannien und Deutschland überwand die Konferenz von Locarno (5. bis 16. Oktober 1925) die Trennung zwischen Siegern und Besiegten des Ersten Weltkriegs, schuf trotz starker nationalistischer Gegenkräfte die Basis für eine engere politische, wirtschaftliche und kulturelle europäische Zusammenarbeit, erreichte vorübergehend eine spürbare Entspannung und Stabilisierung in Europa und eine Phase erhöhter Sicherheit auch für die östliche Hälfte des Kontinents. Dazu trug die enge Verzahnung der Locarno-Verträge mit dem Völkerbund ebenso bei wie die implizite Bedeutungsminderung der deutsch-sowjetischen Sonderbeziehung seit dem Vertrag von Rapallo (16. April 1922) und die Notwendigkeit für die Sowjetunion, sich auf diese neue europäische Lage einzustellen. Die Locarno-Verträge und die Locarno-Politik europäischer Verständigung griffen die bedeutendste Leistung einer friedlichen Ordnung der souveränen europäischen Staaten wieder auf, das europäische System des Wiener Kongresses und des Europäischen Konzerts, und stellten den bei weitem wichtigsten Versuch zwischen den Weltkriegen dar, ein europäisches Sicherheitssystem zu errichten sowie verbesserte Kooperation und gemeinsame Behandlung von Schwierigkeiten zu ermöglichen. Es war der einzige bedeutsame Versuch, traditionelle Diplomatie und Großmachtinteressen in Gestalt einer aktualisierten Form des Europäischen Konzerts mit den Mechanismen einer universalen Friedensordnung, des Völkerbunds, in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen und der modernen Verdichtung des Beziehungsgeflechts in Europa zu entsprechen.

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