Volltext Aus dem Tagebuch des Generalsekretärs des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale G. M. Dimitrov, Eintragungen vom 7. und 8. September 1939 / Bayerische Staatsbibliothek (BSB, München)

Aus dem Tagebuch des Generalsekretärs des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale G. M. Dimitrov, Eintragungen vom 7. und 8. September 1939

G. Dimitrov, Tagebuch, 7. und 8. September 1939

7.9.39

- Im Kreml (GlossarStalin, GlossarMolotov, GlossarŽdanov).

Stalin:

- Der Krieg wird zwischen zwei Gruppen von kapitalistischen Staaten geführt – (arme und reiche im Hinblick auf Kolonien, Rohstoffe usw.) um die Neuaufteilung der Welt, um die Weltherrschaft!

- Wir haben nichts dagegen, daß sie kräftig aufeinander einschlagen und sich schwächen.

- Nicht schlecht, wenn Deutschland die Lage der reichsten kapitalistischen Länder (vor allem Englands) ins Wanken brächte.

- Hitler selber zerrüttet und untergräbt, ohne es zu verstehen und zu wollen, das kapitalistische System.

- Die Haltung der Kommunisten an der Macht ist eine andere als die der Kommunisten in der Opposition.

- Wir sind bei uns Herren im Hause.

- Die Kommunisten in den kapitalistischen Ländern sind in der Opposition, dort ist die Bourgeoisie der Hausherr.

Wir können manövrieren, eine Seite gegen die andere aufbringen, damit sie sich noch stärker in die Haare kriegen.

- Der GlossarNichtangriffsvertrag hilft Deutschland in gewissem Maße.

- Der nächste Schritt ist der, die andere Seite anzuspornen.

- Die Kommunisten der kapitalistischen Länder müssen entschieden gegen ihre Regierungen, gegen den Krieg auftreten. Bis zum Krieg war es völlig richtig, dem Faschismus das demokratische Regime entgegenzusetzen.

- Während des Krieges zwischen den imperialistischen Mächten ist das schon nicht mehr richtig.

- Die Unterscheidung der kapitalistischen Länder in faschistische und demokratische hat ihren bisherigen Sinn verloren.

- Der Krieg hat einen grundlegenden Bruch herbeigeführt.

- Die GlossarEinheitsvolksfront von gestern diente dazu, die Lage der Sklaven im kapitalistischen Regime zu erleichtern.

- Unter den Bedingungen des imperialistischen Krieges steht die Frage nach der Vernichtung der Sklaverei!

- Heute die Positionen des gestrigen Tages einzunehmen (Einheitsvolksfront, GlossarEinheit der Nation) – bedeutet, auf die Positionen der Bourgeoisie abzugleiten.

- Diese Losung wird zurückgenommen.

- Der polnische Staat war früher (in der Geschichte) ein Nationalstaat. Deshalb haben ihn die Revolutionäre gegen Teilung und Versklavung verteidigt.

- Heute ist er – ein faschistischer Staat, der Ukrainer, Weißrussen usw. knechtet.

- Die Vernichtung dieses Staates unter den gegenwärtigen Bedingungen würde einen bourgeoisen faschistischen Staat weniger bedeuten!

- Was ist Schlechtes daran, wenn wir im Ergebnis der Zerschlagung Polens das sozialistische System auf neue Territorien und [neue] Bevölkerung ausdehnen.

Wir haben Verträge mit den sogenannten demokratischen Staaten vorgezogen und deshalb Verhandlungen geführt.

- Aber die Engländer und Franzosen wollten uns als Knechte und zudem nichts dafür bezahlen!

- Wir ließen uns selbstverständlich nicht zu Knechten machen, auch wenn wir nichts bekamen.

Man muß der Arbeiterklasse sagen

- daß der Krieg um die Weltherrschaft geführt wird;

- daß die Herren der kapitalistischen Länder für ihre imperialistischen Interessen kämpfen;

- daß dieser Krieg den Arbeitern, den Werktätigen nichts bringen wird außer Leid und Entbehrung.

- Wir müssen entschieden gegen den Krieg und seine Schuldigen auftreten.

- Entlarven Sie die GlossarNeutralität, die bourgeoise Neutralität der Länder, die bei sich für Neutralität eintreten und den Krieg in anderen Ländern mit dem Ziel der Bereicherung unterstützen.

- Es ist notwendig, Thesen des GlossarPräsidiums des EKKI vorzubereiten und zu veröffentlichen.

8.9.39

- Haben eine Direktive für die kommunistischen Parteien vorbereitet:

‹"Der gegenwärtige Krieg ist ein imperialistischer, ungerechter Krieg, an dem die Bourgeoisie aller kriegsführenden Staaten gleich schuldig ist. In keinem Lande darf weder die Arbeiterklasse, um so weniger die Kommunistische Partei den Krieg unterstützen. Die Bourgeoisie führt den Krieg nicht gegen den Faschismus, wie es Chamberlain und die Führer der Sozialdemokratie behaupten. Der Krieg wird zwischen zwei Gruppen kapitalistischer Länder um die Weltherrschaft geführt. Die internationale Arbeiterklasse kann in keinem Falle das faschistische Polen verteidigen, das die Hilfe der Sowjetunion zurückgewiesen hat und die anderen Nationalitäten unterdrückt.

Die Kommunistischen Parteien haben gegen die GlossarMünchen Anhänger gekämpft, weil sie eine wirkliche antifaschistische Front mit Teilnahme der Sowjetunion wollten, aber die Bourgeoisie Englands und Frankreichs hat die Sowjetunion zurückgestoßen, um einen räuberischen Krieg zu führen.

Der Krieg hat die Lage wesentlich verändert. Die Teilung der kapitalistischen Staaten in faschistische und demokratische hat jetzt die frühere Bedeutung verloren. Dementsprechend muß die Taktik geändert werden. Die Taktik der Kommunistischen Parteien in allen kriegführenden Ländern ist in dieser Etappe des Krieges gegen den Krieg aufzutreten, seinen imperialistischen Charakter zu entlarven; dort, wo kommunistische Deputierte vorhanden sind, gegen Kriegskredite zu stimmen; den Massen zu erklären, daß der Krieg ihnen nichts anderes als Last und Ruin bringen wird. In den neutralen Ländern muß man die Regierungen entlarven, die für Neutralität ihrer Länder auftreten, aber zwecks Profit den Krieg in anderen Ländern unterstützen – wie es die Regierung der Vereinigten Staaten Amerikas in bezug auf Japan und China macht. Die Kommunistischen Parteien müssen überall zu einer entschiedenen Offensive gegen die verräterische Politik der Sozialdemokratie übergehen.

Die Kommunistischen Parteien, besonders Frankreichs, Englands, Belgiens und der Vereinigten Staaten Amerikas, welche im Gegensatz zu dieser Einstellung auftraten, müssen sofort ihre politische Linie korrigieren."›

Rev. Übersetzung hier nach: DIMITROFF, G., Tagebücher. 1933-1943, Hg. von B. H. Bayerlein, Berlin 2000, S. 273-275.

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