Volltext Bericht der Hauptverwaltung der Deutschen Volkspolizei (HVDVP) für die Zeit vom 16.6.53 bis 22.6.1953, 18.00 Uhr [Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953], undatiert / Bayerische Staatsbibliothek (BSB, München)

Bericht der Hauptverwaltung der Deutschen Volkspolizei (HVDVP) für die Zeit vom 16.6.53 bis 22.6.1953, 18.00 Uhr [Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953], undatiert

Bericht für die Zeit v. 16.6.53 bis 22.6.1953 18.00 Uhr

– HVDVP –

Nachdem am 16.6.1953 nach der Auswertung der Lage erkennbar wurde, dass die Demonstranten von faschistischen Elementen aus Westberlin zu Provokationen, Tätlichkeiten und Zerstörungen ausgenutzt wurden, der Einsatz von Agitatoren grösseren Umfanges (davon ca. 60 GlossarVP-Angeh. in Zivil) keine wesentlichen Erfolge erzielte und die Gefahr bestand, dass die verbrecherischen Elemente die Oberhand über die Masse der Demonstrierenden gewinne, wurden folgende vorbereitende Massnahmen getroffen:


1.

Verstärkung der Hauswache

2.

Schaffung einer Einsatzkräfte-Reserve von

1/36 VP

3.

Schaffung einer Fahrzeugreserve von

21 PKW

2 LKW

4.

Bildung einer Transportleitstelle

5.

Alarmierung von VP-Angehörigen nach Schwerpunktwohngebieten wie Gasthäusern usw.



16.6.1953

21.30

wurden vom PdVP Berlin zur Verstärkung 100 VP-Angehörige vom Wachbtl. der HVDVP zur Verfügung gestellt.

Der Leiter des Wachbtl. erhielt die Anweisung, die Posten an den wichtigsten Objekten zu verstärken.

21.50

erging an die Chefs der BdVP Potsdam, Leipzig und Magdeburg die Anweisung zur Alarmierung von Abschnittsbevollmächtigten.

22.20

Weitere Abordnung von 116 VP-Angehörigen des Wachbtl. zum PdVP Berlin.

Ausserdem wurden zum PdVP Berlin 164 Einsatzkräfte (Angehörige der HVDVP) zur Verstärkung des Sektorenschutzes abgeordnet.

Weiterhin wurden dem PdVP Berlin 400 Pistolen zur Verfügung stellt.

23.30

wurden 10 Angehörige der Hauswache zur Verstärkung der Sicherheit der Generalstaatsanwaltschaft in Marsch gesetzt.

zur Erkundung der Lage wurden dem PdVP Berlin 2 PKW mit Zivilnummern zur Verfügung gestellt.

Dem PdVP Berlin wurden im Verlaufe der Nacht vom 16. zum 17.6.1953 folgende Verstärkungskräfte zugeführt:

HVDVP-Kultur-Ensemble

41 VP-Angeh.

BdVP Frankfurt/Oder

94 VP-Angeh.

BdVP Potsdam

352 VP-Angeh.

BdVP Magdeburg

239 VP-Angeh.

BdVP Leipzig

256 VP-Angeh.

VP-Zentralschule Aschersleben

516 VP-Angeh.

VP-Zentralschule Arnsdorf

86 VP-Angeh.


An die Hauptabteilungen J und TD wurde Anweisung in Bezug auf Zurverfügungstellung von ausreichender Verpflegung, Unterkunftsmaterial sowie insbesondere von Hieb- und Schusswaffen gegeben.

Die Kraftfahrzeuge, welche den Antransport aus den Bezirksbereichen und Zentralschulen durchführten, wurden gleichzeitig dem PdVP Berlin zugeteilt.

Durch die Polizeiführung wurde bereits in den Abendstunden des 16.6.1953 eine Chefleitung vom Dienst gebildet.

Die für die BdVP vorgesehenen Kontroll-Brigaden für die Dienstanweisung 24 und 25/53 festgelegten Massnahmen wurden bis auf die Brigade, die nach Suhl bereits abgefahren war, zurückgehalten.

Durch die Chefleitung wurden einzelne BdVP wie Karl-Marx-Stadt und Magdeburg aufgrund der Entwicklung angesprochen und darauf hingewiesen, verstärkte Sicherungsmassnahmen zu treffen.


17.6.1953

4.10

erfolgte durch den Gen.Chefinspekteur Grünstein an alle Chefs der BdVP einschl. Siegmar-Schönau die Anweisung, dass

a) alle Angehörigen der BdVP heranzuholen sind und die BdVP auf volle Stärke zu bringen sind.

b) auf eine Gruppe von Unruhestiftern zu achten ist, die versucht, mittels Kraftfahrzeugen von Berlin nach den Wismut-Gebieten zu gelangen, um dort die Arbeiter zum Streiken zu provozieren, diese Gruppen festzunehmen und dem MfS zu übergeben.

In den Morgenstunden wurde in der HVDVP durch den Gen.Chefinspekteur Strieder eine Einsatzleitung für die HVDVP gebildet. Diese Einsatzleitung wurde verantwortlich gemacht für

a) die Hauswache

b) für den Reservezug

c) für den gesamten Fahrzeugbestand

d) für die Einteilung der restl. VP-Angeh. Der HVDVP in Gruppen und Züge, je nach Aufgaben wie Feuerwehr, Kraftfahrer, Nachrichten usw., für deren Unterkunft und Verpflegung


Die Einsatzstärke für die einzelnen Tage war folgende:

(konkrete Zahlen können erst ab dem 21.6.1953 gegeben werden)


21.6.1953

12.00 Uhr

102 weibl. VP-Angeh.

215 männl. VP-Angeh.

22.6.1952

8.00 Uhr

102 weibl. VP-Angeh.

212 männl. VP-Angeh.


Nachdem bekannt wurde, dass sich in einigen Gebieten der DDR gliche Vorgänge wie in Berlin entwickelten, ergingen ausser der erhöhten Wachsamkeit und Alarmbereitschaft folgende Anweisungen:


11.10

unter keinen Umständen darf ein VPKA aufgegeben bezw. Geräumt werden.

Die Chefs der BdVP wurden persönlich verantwortlich gemacht.

Die Leiter der VPKÄ erhielten die Anweisung, soviel als möglich freiwillige Helfer und fortschrittliche Kräfte zusammenzuziehen.

Lebenswichtige Objekte u. Betriebe dürfen nicht aufgegeben werden.

Panikstimmungen unter den VP-Angehörigen sind energisch zu unterbinden.

In Notfällen sind Einheiten der GlossarKVP einzusetzen.

14.30

wurde angewiesen, dass sämtliche Vorkommnisse in den Bezirksbereichen, die im Wismut-Gebiet liegen, der BdVP Siegmar-Schönau mitzuteilen sind.

Die in den VP-Heimen beschäftigten sowie z.Zt. untergebrachten VP-Angehörigen wurden alarmiert und gelangten zum Teil in den Bezirksbereichen zum Einsatz.

15.30

erfolgte Anweisung zur Sicherstellung der Einschleusung von Lebensmitteltransporten nach Berlin sowie der Einschleusung von Kurieren.


Aus Schwerin wurde ein LKW, der mit Parteidokumenten beladen und für das ZK bestimmt war, zum HVDVP geleitet und die Dokumente im Tresor der HVDVP untergebracht.

Um jederzeit eine klare Uebersicht über die augenblickliche Lage zu haben, wurden unter Abgabe [sic!] von konkreten Punkten in Abständen von 2 Stunden fernschriftliche Lageberichte von den BdVP gefordert.

Nachdem es in Berlin zu ernsten Zusammenstössen zwischen Demonstranten und VP-Angehörigen gekommen war, erfolgte nochmals eine Anweisung in bezug auf Schusswaffengebrauch.

Zur weiteren Verstärkung der Sicherungsmassnahmen für die Strafvollzugsanstalten wurden weitere Sicherungsmassnahmen angeordnet.

So z.B. für die VA Glowe, da festgestellt worden war, dass unter den Gefangenen Flugblätter verteilt wurden, strengste Isolierung der Gefangenen von den Arbeitern des Objektes.

Auswechslung einer Kompanie Einsatzkräfte.

Verstärkung der äusseren Sicherheit durch die KVP sowie Uebernahme der verantwortlichen Leitung durch Gen.VP-Insp. Siegemund von der HVDVP.

Da festgestellt wurde, dass sich aus den Industrie-Schwerpunktgebieten Henningsdorf, Wildau, grössere Arbeitermassen in Richtung Berlin in Bewegung setzten, wurde die HVDVP sowie Transportpolizei zwecks Einleitung sofortiger Massnahmen verständigt.

An die HA-GW und PV erging Anweisung zur Betreuung der verletzten VP-Angehörigen, welche inzwischen in das VP-Krankenhaus Berlin eingeliefert worden waren.

Charakterisierung der Lage in Berlin und DDR:

am 17.6.1953

Berlin:

Die Demonstrationszüge marschierten auch aus den entlegensten Gebieten wie Köpenick usw. auf das Stadtzentrum.

Folgende Arbeitsniederlegungen wurden bekannt:


GlossarSAG-Betrieb Berliner Bremsenwerk mit der gesamten Belegschaft.

GlossarVEB-Fortschritt, Grünbergerstrasse mit der gesamten Belegschaft.

VEB-Vergaser, Stalinallee verweigerten vorwiegend die Jugendlichen den Arbeitern den Eingang zum Werk.

800 Angehörige des EAW Stalin-Werkes Treptow – Zweigstelle Hirschberger Strasse,

Privatbetrieb Kälterichter, wo die Belegschaft den Betrieb verliess,

VEB-Glühlampenwerk, wo sich die Belegschaft auf dem Hofe versammelte

usw.


Die Situation in Berlin spitzte sich derart zu, dass grössere Menschenmengen unter Anleitung der Provokateure vor den Ministerien, den öffentlichen Gebäuden, den Parteidienststellen und Gebäuden der Massenorganisationen sich zusammenballten und Versuche unternahmen, gewaltsam in diese einzudringen.

Einzelne Demonstrationszüge überschritten die Sektorengrenze vom Osten zum Westen.

Teilnehmer eines Demonstrationszuges, der aus dem Westen kam, rissen die Rote Fahne vom Brandenburger Tor herunter.

Und so steigerten sich diese Provokationen sukzessive wie die Anlegung von Bränden in HO-Kiosken usw., Plünderungen der HO-Geschäfte, Steinwürfe.

Ein eingesetzter Lautsprecherwagen im Westsektor an der Sektorengrenze forderte in den Westsektor abfliessende Demonstranten auf, erneut in den demokratischen Sektor zu demonstrieren.

Zu diesem Zeitpunkt wurde die Sektorengrenze auf westlicher Seite durch starke Aufgebote der Stummpolizei [sic!] besetzt.

Mit Bekanntgabe des Ausnahmezustandes durch den Sowjetischen Militärkommandanten von Berlin wurde die Sektorengrenze gesperrt und durch die Sowjetischen Truppen und durch VP wurden die Demonstrationszüge zerstreut.

Besondere Höhepunkte bildeten sich auf dem Alexanderplatz und vor dem Präsidium der VP, wo die Demonstranten versuchten , in das Gebäude des PdVP einzudringen.

Auch an diesen Stellen wurde mit Eintreffen der Sowjetischen Truppen die Lage bereinigt.

Mit Bekanntgabe des Ausnahmezustandes in den Nachmittagsstunden trat eine gewisse Beruhigung der Lage ein, abgesehen von einzelnen Versuchen, erneute Demonstrationen zu beginnen.

Durch die zwangsläufige Stillegung des öffentlichen Verkehrsnetzes kam es zu grösseren Menschenstauungen auf den Bahnhöfen, die bis in die Nachtstunden andauerten.

Ein grösserer teil der Bevölkerung distanzierte sich bereits zu diesem Zeitpunkt von den Anführern. In ihrem Verhalten kam zum Ausdruck, dass die 2. Phase der Entwicklung der Situation wie Plünderungen usw. von ihnen nicht gebilligt wurden [sic!].

Dem Aufruf der Regierung, die Arbeit wieder aufzunehmen, kamen am gleichen Tage Wenige nach, auch mitbedingt durch die Schwierigkeiten in der Verkehrslage.

Als Schwerpunkte kristallisierten sich heraus:

Halle

Magdeburg

Gera

Leipzig

Dresden und

Erfurt.

In den Bezirken Karl-Marx-Stadt, Neubrandenburg, Suhl und Schwerin kam es zu keinen nennenswerten Demonstrationen.

Halle:

In der Stadt Halle begannen die Ausschreitungen am 17.6.53 gegen 9 Uhr mit einem Demonstrationszug von mehreren tausend Demonstrant. von der Waggonfabrik Ammendorf.

Dieser Demonstrationszug wurde verstärkt durch die Belegschaften der am Marschweg liegenden Betriebe. Die Demonstranten stürmten und plünderten u.a. die Bezirksleitung der Partei und das Haus des Bezirksrates.

Beide genannten Objekte waren durch die Volkspolizei gesichert. Nachdem die Provokateure gleichwohl in die Objekte eingedrungen waren, kam es bei dem Widerstand der Volkspolizisten gegen die Angreifer zu heftigen Tätlichkeiten von seiten der Provokateure, wobei einzelne VP-Angehörige schweren Misshandlungen ausgesetzt wurden. U.a. wurden von den Provokateuren bei ihrem Anmarsch zum Haus des Bezirksrates mehrere VP-Angehörige unter laufenden Misshandlungen mitgeschleift.

Die Provokateure setzten ihren Marsch fort zur UHA II, wo sie gegen 12.30 Uhr eintrafen und die Freilassung von Gefangenen forderten. Das wurde abgelehnt. Daraufhin erbrachen die Demonstranten das Eingangstor. Trotz Gegenwehr der eingesetzten VP-Angehörigen und 27 weiteren KVP-Angehörigen gelangten die Demonstranten in das Zellenhaus. Dadurch konnten 248 weibliche und 3 männliche Häftlinge gewaltsam befreit werden.

Unter den Befreiten befanden sich Schwerverbrecher besonderer Art. Z.B. die ehemalige GlossarSS-Kommandeuse Dorn aus dem KZ Ravensbrück, die zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt war und nunmehr sich massgeblich an den Provokationen beteiligte. Bei dem Angriff wurden 3 VP-Angehörige z.T. schwerverletzt, eine VP-Angehörige unter diesen wurde bis zum Markt mitgeschleift und dort besinnungslos von Angehörigen der Sowjetarmee aufgefunden.

Nach diesem Angriff begaben sich ca. 1000 Demonstranten zur Vollzugsanstalt I am Kirchtor. Auch hier forderten sie die Herausgabe sämtlicher Häftlinge, worauf die Leitung der Anstalt – VP-Insp. Blossfeld – nicht reagierte. Bei dem Versuch, mit einem 6-To-LKW das Tor zu nehmen, um in die Vollzugsanstalt zu gelangen, wurden nach Schusswaffengebrauch durch die VP zwei Eindringlinge schwer- und einer tödlich verletzt. Ein nochmaliger Versuch der Demonstranten, von der Rückseite der Anstalt aus einzudringen, wurde wiederum mit Schusswaffengegenwehr der VP beantwortet und dabei ein Eindringlich [sic!] tödlich verletzt. Daraufhin räumten die Demonstranten das Feld.

Ein ähnlicher Angriff auf die UHA I scheiterte ebenfalls an der konsequenten Haltung der VP-Angehörigen unter der Leitung des VP-Komm. Stolze.

In Bitterfeld randalierten gegen 9 Uhr zirka 150 Personen vor dem VPKA und entsandten eine Delegation zum VPKA-Leiter. Darüber hinaus forderten sie die sofortige Entfernung eines Transparentes vom Gebäude des VPKA, das auf die deutschsowjetische Freundschaft hinwies. Durch das versöhnlerische Verhalten des Amtsleiters – VP-Kommandeur Nosseck, der mit den Demonstranten verhandelte, ihren Weisungen nachkam und sie aufforderte, ihre Forderungen an die Regierung weiterzuleiten, kam es in Bitterfeld zu einem Angriff auf die UHA, wobei es beim Eindringen zu keinerlei Gegenwehr durch die VP kam. Im Verlaufe von Vereinbarungen wurden 15 Häftlinge entlassen. Das Ergebnis des Verhandelns, insbesondere durch VP-Kommandeur Nosseck war, dass schliesslich alle 51 Häftlinge befreit wurden. Nosseck wurde inzwischen des Amtes enthoben und in Haft genommen.

Weitere Beispiele liessen sich noch aus den bereichen Naumburg und Eisleben anführen.

Gera:

In der Stadt Gera demonstrierten ca. 20.000 Personen. Unter Führung faschistischer Elemente versuchten sie, in mehrere öffentliche Gebäude einzudringen, was durch gemeinsamen Einsatz von VP und KVP sowie durch späteres Eingreifen der sowjetischen Streitkräfte bis auf einen Fall verhindert werden konnte, wo die Provokateure in die Arbeiter- und Bauernfakultät eindrangen und die Inneneinrichtung verwüsteten. Hierbei taten sich besonders 50-60 Oberschüler negativ hervor, wohingegen sich 360 Schüler der ABF der Volkspolizei zur Verfügung stellten und 60 von ihnen sofort für entsprechende Hilfs-Massnahmen eingesetzt worden sind.

In Weida[,] Kr. Gera, in dem sämtliche Beschäftigten aller Betriebe streikten, versuchten ca. 1000 Demonstranten unter Führung von faschistischen Elementen ins Revier einzudringen. Die 18 VP-Angehörigen verteidigten ihr Revier über eine Stunde, ohne von der Schusswaffe Gebrauch zu machen, bis sowjetische Streitkräfte zum Einsatz eintrafen. Ein Eindringen in das Revier gelang den Provokateuren nicht.

In Jena demonstrierten ca. 20.000 Personen. Die Arbeitsniederlegung begann in dem Nebenbetrieb Zeitz-Süd und griff auf weitere Grossbetriebe über. Angriffe wurden auf die Gebäude des GlossarMfS, der Kreisleitung der Partei, des Rates des Kreises, der Nationalen Front u.a. durchgeführt. Hierbei wurden die Einrichtungen demoliert und vorhandene Akten z.T. auf die Strasse geworfen. Eine Reihe Funktionäre, besonders die Angehörigen des MfS, wurden durch die Provokateure brutal misshandelt und schwerverletzt. Der Hauptangriff richtete sich dann gegen die Haftanstalt, wo die Provokateure durch zirka 2000 Wismut-Kumpels, die mit 40 Kippern und anderen Fahrzeugen in die Innenstadt transportiert wurden, unterstützt [wurden]. Den Provokateuren gelang das Eindringen in die Haftanstalt und die Niederringung der sich hartnäckig verteidigenden VP-Angehörigen. Die VP-Angehörigen machten dabei von der Schusswaffe keinen Gebrauch. 49 Häftlingen gelang die Flucht.

Besondere Arbeitsweise des Gegners:

Bei dem Sturm auf die Haftanstalt wurden von den gegnerischen Elementen Kinder in die Haftanstalt eingeschleust und dann der Bevölkerung als Häftlinge präsentiert. Ein weiblicher Häftling wurde völlig entkleidet und mit Kot beschmiert. In diesem Zustand wurde er den Demonstranten als angeblich in diesem Zustand vorgefunden vorgeführt.

Die Aerzte des Stadtkrankenhauses Jena verweigerten die Behandlung der schwerverletzten Volkspolizisten, die dann vom sowjetischen Hospital in Behandlung genommen wurden.

Magdeburg:

In Magdeburg nahmen die Demonstranten ihren Anfang in den Grossbetrieben des Vorortes Magdeburg-Buckau, von da bildete sich ein Demonstrationszug, der auf seinem Wege nach dem Stadtinneren nacheinander das Telegrafenamt, die Häuser der SED, GlossarFDJ, des GlossarFDGB stürmten bezw. besetzten und Zerstörungen grösseren Umfanges vornahmen. Auf dem weiteren Weg erfolgte die Stürmung des Justizgebäudes unter Verprügelung der Richter und Staatsanwälte. Gegen 10 Uhr sammelten sich vor dem Haus des BdVP ca. 10.000 Demonstranten. Die Leitung des BdVP liess sich von dem Grundsatz leiten, jedwedes Blutvergiessen zu vermeiden und ordnete an, dass alle Offiziere ihre Schusswaffen unterzuschnallen und die Wachtmeister ihre Schusswaffen abzugeben hatten. Auch nachdem bei der Stürmung der Strafvollzugsanstalt bereits 2 VP-Angeh. und ein Angehöriger des MfS erschossen wurden, wurde der Befehl, in keinem Falle von der Schusswaffe Gebrauch zu machen, nicht widerrufen d.h. es wurde nicht zwischen faschistischen Elementen und einfachen Demonstranten unterschieden. Diese Menschen drangen in das Gebäude des BdVP ein und konnten erst nach Erscheinen der Sowjetarmee aus dem Gebäude entfernt werden.

Bei der Verteidigung traten besonders die Genossen Wachtmeister durch hervorragende Leistung in Erscheinung.

Das Stürmen der UHA Magdeburg-Neustadt zwischen 14 und 15 Uhr hätte bei Abwesenheit einer Leitung vermieden werden können, zumal diese Verteidigung der Anstalt dadurch begünstigt wurde, dass sich viele Gefangene bereit erklärten, die VP bei der Verteidigung zu unterstützen. Nach Eindringen der faschistischen Elemente schützten die Häftlinge die VP-Angehörigen vor Angriffen der Banditen. Die Häftlinge der SVA Sudenburg brachten bei der Stürmung der Anstalt zum Ausdruck, dass sie nicht befreit werden wollten. Auch hier wurden die VP-Angeh. durch Häftlinge unterstützt. Hier zogen sich z.B. VP-Angehörige in die Küche zurück. Der Koch, ein Häftling, der wegen Verderbenlassens von 170 Kilo Fleisch zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt war, stellte sich mit einem Messer vor die Küchentür und gewährte keinem der Banditen Einlass.

Leipzig:

Aehnliche Vorkommnisse gab es im Bezirk Leipzig. Brennpunkte waren die Städte Leipzig, Delitzsch, Schmölln und Düben. In Leipzig selbst griffen die Provokateure u.a. die BdVP, die Bezirksverwaltungsstelle des MfS, das VPKA Leipzig, die UHA Leipzig Beethovenstrasse, das Rundfunkgebäude, die FDJ-Bezirksleitung und das Gebäude der Leipziger Volkszeitung an. Der Pavillon des Nationalrates am Platz des Friedens wurde gestürmt und in Brand gesetzt.

Potsdam:

In Henningsdorf legten die Arbeiter der Grossbetriebe am 17.6.1953 die Arbeit nieder und versuchten, mit der S-Bahn nach Berlin zu gelangen, um sich den Streikenden in Berlin anzuschliessen (ca. 6000). Das Vorhaben wurde durch Unterbrechung des S-Bahnverkehrs verhindert. Weitere Arbeiter der Betriebe des Bezirks beteiligten sich an Arbeitsniederlegungen und Demonstrationen, so u.a. das Karl-Marx-Werk in Potsdam-Babelsberg, das Stahl- und Walzwerk Brandenburg, RAW Kirchmöser und Optische Werke Rathenow.

Dresden:

Im Bereich Dresden und Görlitz war ein besonderer Schwerpunkt. Hier drangen die Provokateure sogar in das Gebäude der sowjetischen Kommandantur ein.

Erfurt:

Im Bezirk Erfurt waren insbesondere die VEBetriebe Rheinmetall in Sömmerda Ausgangspunkt der Arbeitsniederlegungen und Demonstrationen.

Frankfurt/O.:

Im Bezirk Frankfurt/O. begann die Streikbewegung im Kreis Fürstenberg bei den Bauarbeitern von Stalin-Stadt, im Kreise Fürstenwalde beim VEB Reifenwerk und den Kalk- und Zementwerken in Rüdersdorf. In den nördl. Kreisen des Bezirks trat besonders der VEB Krahnbau Eberswalde in Erscheinung.

Cottbus:

In Cottbus selbst ging die Streikbewegung vom RAW Cottbus aus. Im Kreisgebiet Senftenberg begann die Streikbewegung in der Grosskokerei Mathyas Rakosi, wo u.a. der Kulturraum demoliert wurde.

Rostock:

Hier waren es die Beschäftigten der Werften Warnof-Werft, Neptun-Werft, Mathias-Thesen-Werk u.a., die am 18.6.1953 mit der Arbeitsniederlegung begannen.

(Einige Berichte aus den Bezirken stehen noch aus, um ein umfassenderes Bild zu geben)

Aufgrund der charakterisierten Lage und nach Verhängung des Ausnahmezustandes wurden weitere Massnahmen getroffen.

Unter Verschlüsselung wurde die Anweisung gegeben, Provokateure unter allen Umständen festzunehmen, alle bestehenden Streikleitungen festzunehmen, Menschenansammlungen zu verhindern.

Zur Ueberprüfung der durch die BdVP getroffenen Massnahmen sowie zur besseren Anleitung wurden am 18.6.53 verantwortliche Hauptabteilungsleiter und Abteilungsleiter in folgende Bezirke entsandt:

BdVP Frankfurt/O., Magdeburg, Schwerin, Gera, Dresden, Halle.

Die Lage gab Veranlassung, die Chefs der BdVP anzuweisen, dass der befohlene Alarmzustand weiter aufrechterhalten bleibt und dass für die Einsatzkräfte unter Beachtung der Befehle für die notwendige Ruhe Sorge zu tragen ist. Wenn es die Lage erlaubt, Interzonenpassanträge der Bevölkerung anzunehmen und zur Bearbeitung der Anträge weibliche Kräfte bezw. für den operativen Einsatz nichttaugliche Kräfte einzusetzen.

Gen.Chefinspektor Wenzel erhielt den Auftrag, die Betreuung der Angehörigen der ums Leben gekommenen VP-Angehörigen zu übernehmen; gleichzeitig Massnahmen für die Durchführung zur Auszeichnung und Prämierung der VP-Angeh., die durch vorbildliche Haltung während des Einsatzes hervorgetreten sind, zu treffen.

Gen.Chefinspektor Anstett erhielt die Anweisung, für die normale Ausgabe der KPZ-Kennzeichen Sorge zu tragen.

Die Abt. TD wurde angewiesen, eine Ueberprüfung der Verteilung sämtlicher Schusswaffen in der VP vorzunehmen.

Inzwischen ergab sich in Berlin folgende Lage:

Beispiele von Arbeitsaufnahmen:


am 18.6. 12.00 Uhr

VEB Ausbau

mit 30% der Betriebsangeh.

DHZ Metallurgie-Schrott

mit 30% der Betriebsangeh.

Konsum-Zuckerw. Treptow

mit 30% der Betriebsangeh.

Verband Dt. Kons.Gen.

mit 40% der Betriebsangeh.

Berliner Glühlampenwerke

mit 45% der Betriebsangeh.

EAW J.W. Stalin Treptow

mit 45% der Betriebsangeh.

Berliner Bremsenwerke

mit 49% der Betriebsangeh.

Mechanik Gasalan

mit 50% der Betriebsangeh.

Kälterichter

mit 50% der Betriebsangeh.

Bergmann-Borsig

mit 50% der Betriebsangeh.


Demgegenüber stehen Betriebe wie


Berliner Riefenwerke [sic!]

mit 90% der Betriebsangeh.

Siemens-Plania

mit 85% der Betriebsangeh.

Gasag, Dimitroffstr.

mit 100% der Betriebsangeh.

AGA Azotylen-Werk

mit 100% der Betriebsangeh.

Funkamt Amt Glienicke

mit 100% der Betriebsangeh.

Berliner Bürgerbräu

mit 100% der Betriebsangeh.

E-Werk Rummelsburg

mit 100% der Betriebsangeh.

Kraftwerk Klingenberg

mit 100% der Betriebsangeh.


die zum Teil ohne Unterbrechung [arbeiteten] bezw. zu diesem Zeitpunkt eine prozentual hohe Arbeitsaufnahme erreichten.

Am 22.6.53 9.30 Uhr Beispiele von Betrieben, die eine besonders geringe Zahl von Arbeitsaufnahmen aufwiesen:


Bergmann-Borsig

mit 70%

VEB Ausbau

mit 81%

J.W. Stalin

mit 85%


Von den 100 wichtigsten Betrieben des demokratischen Sektors Berlin gibt sich in der Zahl der Beschäftigten und Streikenden folgende Uebersicht:


gearbeitet:

gestreikt:

am 18.6.53

74.878

28.536

am 19.6.53

80.048

9.881

am 20.6.53

84.221

5.227


Die Schliessung der Sektorengrenze führte zu einer schnelleren Festnahme der sich noch im demokratischen Sektor befindlichen Provokateure, sodass bereits in den frühen Nachmittagsstunden eine grössere Anzahl dieses Personankreises festgenommen werden konnte:

Uebersicht über Festnahmen:


vom 16.6. bis 17.6. 21 Uhr

insgesamt 259 Personen, davon 167 aus dem demokratischen und 92 aus dem Westsektor.

vom 17.6. 21 Uhr bis 18.6. 05 Uhr

insgesamt 253 Personen, davon 151 aus dem demokratischen und 28 aus dem Westsektor, 20 aus der DDR und 63, wo die Personalien nicht einwandfrei feststanden.

vom 18.6. 05 Uhr bis 18 Uhr

insgesamt 330 Personen, davon 151 aus dem demokratischen, 47 aus dem Westsektor, 7 aus der DDR, 125, bei denen die Personalien nicht genau feststellbar waren.

bis zum 22.6. 06 Uhr

wurden insgesamt festgenommen:

2.461 Personen,

davon:

2.184 aus dem demokratischen Sektor und aus der DDR,

238 aus dem Westsektor Berlins,

39 aus Westdeutschland.


Am 21.6.53 wurde bekanntgegeben, dass die Provokateure beabsichtigten, Trauergeläute sowie Inbetriebsetzen von Betriebssirenen zu organisieren.

Die BdVP wurden zwecks Einleitung der erforderlichen Massnahmen angewiesen. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass das Heraushängen von Fahnen mit Trauerfloren sowie Flaggen mit Halbmast zu untersagen ist.

Am 21.6.53 zeigten sich Anzeichen, dass es im Verlaufe des 22.6. zu grösseren Streiks bei der Reichsbahn kommen könnte. Deshalb wurde eine besondere Ueberwachung der Anlagen der Reichsbahn sowie die Aufstellung von Reserve-Einsatz-Kommandos und enge Verbindungsaufnahme mit der Transportpolizei angewiesen.

Für den taktischen Einsatz erfolgten gleichzeitig Hinweise wie Abgabe von Warnschüssen als Abschreckungsmethode usw.

Aufgrund von Hinweisen, dass der Gegner beabsichtigte, zu grösseren Sabotageakten überzugehen und hierbei sich natürlich in den Besitz von Sprengstoffen setzen will, erging der Befehl, verschärfte Sicherungsmassnahmen für Benzin- und Sprengstofflager sowie für Radio-Stationen einzuleiten.

Hierbei wurde ganz besonders auf die Kontrolle der sprengstoffverarbeitenden Betriebe sowie Bestands- und Bewegungsbücher hingewiesen.

Am 22.6.53 wurde erneut den Bezirkschefs mitgeteilt, dass mit weiteren Terror- und Sabotageakten zu rechnen ist und dass deshalb die hohe Einsatzbereitschaft weiterhin zu gewährleisten und ständig zu kontrollieren ist. Schwerpunkte nach wie vor: wichtige Versorgungsbetriebe, Brücken, Sprengstofflager usw. Es wurde nochmalig auf die Beibehaltung von ständig zur Verfügung stehenden Einsatzreserven hingewiesen.

In der Zeit vom 17.6. 8 Uhr bis 22.6. 18 Uhr liefen bei der HVDVP – Op-Stab insgesamt 800 Meldungen und Berichte über Vorkommnisse und über die Lage ein.

Z a h l e n m ä s s i g e A n g a b e n:

Demonstrationen:


Bezirk:

Zahl der

Demonstrationen

Zahl der

Teilnehmer

Zahl der Demonstrationen

Zahl der

Teiln.

Rostock

=

=

3

8.000

Schwerin

1

200

=

=

Neubrdbg.

=

=

=

=

Potsdam

32

53.000

=

=

Frankfurt/O.

7

9.000

=

=

Cottbus

6

5.000

=

=

Halle

14

94.000

1

1.500

Magdeburg

42

32.000

3

12.500

Erfurt

7

15.000

=

=

Gera

10

52.000

4

2.000

Suhl

=

=

=

=

Leipzig

5

30.000

3

1.600

Dresden

5

49.000

2

1.400

Karl-Marx-Stadt

=

=

=

=

129

339.200

16

27.000


Arbeitsniederlegungen:


Bezirk:

Betriebe

Streikende

Betriebe

Streikende

17.6.

18.6.

Rostock

=

=

5

5.500

Schwerin

=

=

1

80

Neubrdbg.

=

=

2

1.650

Potsdam

45

40.250

15

4.700

Frankfurt/O.

45

8.400

8

2.850

Cottbus

25

10.500

35 +++

13.360

Halle

56

60.000

11

6.900

Magdeburg

59+

32.000

34 ++

13.000

Erfurt

6

15.000

5

6.600

Gera

31

27.300

12

4.300

Suhl

1

70

=

=

Leipzig

22

6.500

29

14.200

Dresden

35

24.400

=

=

Karl-Marx-Stadt

7

1.200

2

1.900

insgesamt

332

225.620

159

75.240



+

am 17.6.53

26 Grossbetr.

26 Mittelbetr.

7 Kleinbetriebe

++

am 18.6.53

5 Grossbetr.

22 Mittelbetr.

7 Kleinbetriebe

+++

am 19.6.53

im Bezirk Cottbus 7 Betriebe mit 380 Arbeitern.


Parolen:


am 17.6.53

"Herabsetzung der Normen"

"40%ige Herabsetzung der HO-Preise"

"Generalstreik"

"Nieder mit der SED"

"Sturz der Regierung"

"Solidaritätsstreik mit Berlin"

"Freie Wahlen in ganz Deutschland"

Am 18.6.53

ebenfalls die vorstehenden und weitere

"Aufhebung des Ausnahmezustandes"

"Gleichstellung von volkseigenen und privaten Betrieben"

"Keine Bestrafung der Kollegen, die sich zu Sprechern der Kollegen gemacht haben"

"Freilassung der politischen Häftlinge"


Festnahmen von Streikleitungen:


Rostock

6

Schwerin

=

Neubrdbg.

2

Potsdam

10

Frankfurt/O.

1

Cottbus

Zahlen können noch nicht angegeben werden

Halle

ebenfalls noch nicht

Magdeburg

2

[Uebertrag

21]

Erfurt

5

Gera

6

Suhl

=

Leipzig

21

Dresden

=

Karl-Marx-St.

=

Mithin

53


Eindringen in öffentl. Gebäude:


Bezirk:

am 17.6.53

am 18.6.53

Dresden

25

2

Leipzig

12

=

Gera

9

=

Halle

35

=

Magdeburg

45

=

Rostock

1

=

Insgesamt

125

2


Von diesen öffentlichen Gebäuden waren


17.06

18.06

Kreisräte

11

=

Bürgermeistereien

14

1

Bezirksleitg. der Partei

1

=

Kreisleitungen der Partei

7

1

Dienststellen der FDJ

8

=

Dienststellen des FDGB

6

=

BdVP

1

=

VPKÄ

4

=

Sonstige VP-Dienststellen

8

=

Haftanstalten

9

=

Dienststellen des MfS

2

=

Sonstige Gebäude

(Gerichte, Finanzämter, MTS, Erholungsheime, Kulturhäuser, Redaktionen usw.)

54

=

insgesamt

125

2


Gefangenenbefreiungen:


Bezirk:

gewaltmässig befreit

ergriffen

Potsdam

42

36

Halle

464

464

Magdeburg

315

247

Dresden

417

324

Gera

59

43

Stand v. 23.6.53

1.297

1.060


In folgenden Bezirken kam es zum Gebrauch von Schusswaffen:


Bezirk Dresden

1

Bezirk Leipzig

1

Bezirk Halle

2 (Haftanstalten)

Bezirk Rostock

1

insgesamt

5


Auswirkungen des Schusswaffengebrauches:


Bezirk:

VP-Angeh. u. Personen unserer Seite:

Demonstranten:

tot

schwerverletzt

leichtv.

tot

verletzt

Potsdam

1

2

8

--

1

Cottbus

=

=

4

=

=

Dresden

=

8

3

=

3

Leipzig

1

1

31

5

7

Halle

=

8

27

6

30

Magdbg.

3 (dav. 1 MfS)

3

9

3

=

Gera

1

=

1

=

=

Berlin

=

64

204

unbekannt

unbekannt

insgesamt

6

86

287

14

41


Schusswaffenverluste:

Stand vom 22.6.53 – 18.00 Uhr:


Bezirk:

Pistolen:

Karabiner:

KK-Gewehre:

Potsdam

11

4 (2)

=

Dresden

3

3 (1)

=

Leipzig

11

9

=

Halle

45 (20)

6

=

Magdeburg

17 (1)

9 (2)

2

Gera

8 (1)

=

=

insgesamt:

95 (22)

31 (5)

2


(Die in Klammern angeführten Zahlen von Waffen besagen, dass diese Zahl wieder aufgefunden bezw. sichergestellt werden konnte)

Sichergestellte Hetzmaterialien:


Bezirk:

Anzahl:

Inhalt:

Potsdam:

Wildau

1.000

Hetzte gegen die SU

Trebbin

100

Hetze gegen die SU

Wensickendorf

500

Hetze gegen die SU

Frankfurt/O.:

Strausberg

300

Hetze gegen die SU

Dresden:

Riesa

10

Hetze gegen die Regierung

Meißen

3

Hetze gegen die Regierung

Görlitz

6

Hetze gegen die Regierung

Dresden

9

Hetze gegen die Regierung

Leipzig:

Grimma

23

Aufruf zum Generalstreik

Karl-Marx-Stadt:

Aue

400

Hetze gegen die SED

Stollberg

5

Aufruf zur Demonstration

Zwickau

3

Aufruf zum Streik

Marienberg

15

Aufruf zum Streik

Glauchau

7

Hetze gegen die Regierung

Schwarzenberg

5

Hetze gegen die Regierung

Freiberg

85

Hetze gegen die SU

Gera:

Ziegenrück

3

Senkung der Normen und HO-Preise

Suhl:

Grossmannsreuth

3.000

Hetze gegen die SED

Halle:

Eisleben

3

Aufruf zum Generalstreik

Magdeburg:

Haldensleben

2

Flugblätter

Bezirk Cottbus:

1.000

Hetze gegen die DDR

Neubrandenburg.

9

Netze geg. die SU

Porat

30

Hetze geg. die SU

Berlin:

In sämtl. Stadtbezirken wurden Flugblätter, die Hetze geg. die Regierung der DDR und gegen die Sowjetunion beinhalteten, verstreut. Anzahl nicht übersehbar.


Stand vom 18.6.53

Angriffe auf Verkehrsmittel:


Bezirk:

Anzahl:

Art des Angriffs:

Cottbus:

Lauchhammer

3

Einschlagen von Scheiben in Omnibussen

Frankfurt/O.:

3

ebenfalls

Strausberg


Stand vom 18.6.53

Zahl der VP-Angehörigen, die sich in diesen Tagen als unfähig erwiesen haben und in ihrem Arbeitsgebiet abgelöst wurden bezw. noch abgelöst werden müssen:


a) VP-Angehörige der BdVP

15 (9 Offz. 6 Wm.)

b) VP-Angehörige der VPKÄ

86 (10 Offz. 76 Wm.)


Stand vom 23.6.53

Festnahmen:

In der Zeit vom 17.6.1953 bis 20.6.53 24.00 Uhr wurden insgesamt

2.687 Personen

Festgenommen. Von diesen wurden 1.100 Personen den Verwaltungsstellen des MfS übergeben. An die Kommandanten der sowjetischen Truppen wurden 142 Personen übergeben. Freigelassen wurden 370 Personen. Bei der Volkspolizei verblieben 1.075 Personen.

Es wurden 119 Verfahren von der Untersuchungsabteilung abgeschlossen und dem Staatsanwalt mit Vorgang übergeben. Im Laufe des 22.6.53 fanden bei den Bezirksgerichten bereits die ersten Prozesse statt. Gegen 514 Personen wurden Verfahren eingeleitet. 561 Personen sind noch in Haft, gegen die noch kein Verfahren eröffnet wurde.

Von den 1.075 Festgenommenen, deren Verfahren von der Volkspolizei zu bearbeiten sind, befinden sich noch 720 ohne richterlichen Haftbefehl in Haft.

Da gegen eine grosse Zahl der Festgenommenen Verfahren noch nicht eingeleitet wurden und auch bei der Uebergabe von Festgenommenen an andere Dienststellen die soziale und politische Zugehörigkeit der Festgenommenen nicht registriert wurde, sind nachfolgend unvollständige Zahlen zustandegekommen:

Von den 1783 Festgenommenen sind


Arbeiter

1261

70,7%

Angestellte/Intellektuelle

233

13,1%

Selbst. Handwerk, Gewerbetreibende und ähnliche

95

5,4%

Großbauern

17

0,9%

Klein- und Mittelbauern

55

3,0%

Genossenschaftsbauern

10

0,6%

Sonstige

112

6,3%

Mitgl. der SED

118

6,6%

Mitgl. der bürgerl. Parteien

81

4,6%

Mitgl. der FDJ

134

7,5%

Parteilose

1450

81,3%


Von 302 in Halle Festgenommenen, bei denen die Parteizugehörigkeit überprüft wurde, sind 17 = 5,8% Mitglied der SED, in Leipzig bei 606 Festgenommenen 43 = 7% Mitglied der SED, in Magdeburg bei 271 Festgenommenen 30 = 11% Mitglied der SED.

In den obengenannten Zahlen sind die Festnahmen des PdVP Berlin nicht enthalten.

Die Anzahl der festgenommenen Personen hat sich bis zum 22.6.53 – 18 Uhr auf

6.057 Personen

Erhöht. Davon


Bürger der DDR

5.777

einschl. Berlin–demokrat. Sektor

Bürger Westdtschld.

42

Bürger Westberlins

238


Von diesen Personen wurden


187

dem Kommandanten der Sowjet. Armee

1.622

den Verwaltungsdienststellen des MfS und

309

den Gerichten


übergeben.

1.684 verblieben bei der VP.

Freigelassen wurden 1.508 Personen.

Im Durchgangslager befinden sich von den o.a. Festgenommenen 747 Personen.

In Fahndung gestellt wurden 157 Personen, die sich an den Provokationen beteiligten.


Festn.

ab an

MfS

ab an

Kdtr.

Freil.

Eins. o.

Haftbf.

ab an

StA

Verf. d.

d. VP

Festn. wo kein Verf. eingel. wurde

Frankf.

106

103

=

1

1

=

=

1

Halle

589

309

24

102

109

3

89

62

Erfurt

160

136

2

18

2

=

3

=

Suhl

1

1

=

=

=

=

=

=

Siegm-Sch.

2

2

=

=

=

=

=

=

Cottbus

83

23

2

6

31

2

38

3

Gera

210

108

12

85

=

1

4

=

Karl-M-St.

5

4

=

1

=

=

=

=

Neubdg.

42

32

=

3

4

1

7

=

Dresden

231

71

23

5

14

49

87

3

Leipzig

606

61

24

42

436

50

87

405

Magdeburg

399

87

53

69

98

10

179

71

Potsdam

152

124

=

1

9

1

18

=

Rostock

94

34

2

36

16

2

1

16

Schwerin

7

5

=

1

=

=

1

=

Insgesamt

2687

1100

142

370

720

119

514

561


Hier nach: Bundesarchiv Berlin, BArch, DO1-11/304, Bl. 206-221, Original.

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