Einführung Stalin, I., Vor Erfolgen von Schwindel befallen. Zu den Fragen der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, 2. März 1930 / Bayerische Staatsbibliothek (BSB, München)

Stalin, I., Vor Erfolgen von Schwindel befallen. Zu den Fragen der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, 2. März 1930

Einführung

Am 2. März 1930 wurde in der Glossar"Pravda" der Artikel von GlossarI. Stalin "Vor Erfolgen von Schwindel befallen" veröffentlicht. Er erschien auf dem Höhepunkt der Kampagne zur Durchführung der GlossarKollektivierung der Landwirtschaft, die auf dem XV. GlossarParteitag der VKP(b) im Dezember 1927 verkündet worden war. Im politischen Bericht, mit dem der GlossarGeneralsekretär des CK I. Stalin auf dem XV. Parteitag auftrat, wurde auf einen gewissen Entwicklungsrückstand der privaten bäuerlichen Kleinwirtschaften im Vergleich zur sozialistischen Großindustrie hingewiesen. Die Glossarbolschewistische Führung hatte diesen Mangel zu überwinden versucht, indem sie die "kleinsten Bauernwirtschaften" in große landwirtschaftliche Betriebe "auf der Grundlage der gemeinschaftlichen, genossenschaftlichen, kollektiven Bodenbestellung" vereinigte und "landwirtschaftliche Maschinen und Traktoren" sowie "wissenschaftliche Verfahren zur Intensivierung der Landwirtschaft" verwendete.[1]

Auf dem Novemberplenum des GlossarCK der VKP(b) von 1929 wurde als erstrangige Aufgabe die Durchführung einer "flächendeckenden Kollektivierung" genannt. Ein Großteil der Fragen, die auf dem Plenum diskutiert wurden, betraf die Landwirtschaft und die Durchführung der Kollektivierung. In Ausführung seiner Beschlüsse über die Mobilisierung von 25 000 Arbeitern zur ständigen Tätigkeit in den GlossarKolchosen legte das CK am 18. Dezember 1929 die Kontrollzahlen für Anwerbung und Verteilung der Mobilisierten nach Regionen fest. Insgesamt wurden für diese Tätigkeit über 27000 Personen ausgewählt.

Bereits um die Jahreswende 1929/1930 stieß die bolschewistische Führung jedoch auf große Schwierigkeiten bei der Durchführung der flächendeckenden Kollektivierung. Zu Stalins Lebzeiten wurden die objektiven Gründe, die zum bäuerlichen Widerstand gegen die flächendeckende Kollektivierung führten, auf "feindliche Aktionen der Klassenfeinde" reduziert. In diesen Kontext wurde auch Stalins Artikel "Vor Erfolgen von Schwindel befallen" gestellt.[2]

So wurde in der "Kurzbiographie" von I. Stalin behauptet, daß "Feinde der Partei" versucht hätten, den Kurs auf die Kollektivierung der Landwirtschaft zu vereiteln. Dies sei nicht nur in direkten Auftritten gegen die Kollektivierung von seiten der "rechten Kapitulanten", sondern auch in "linkslerischen" Abweichungen von der Parteilinie (im Verstoß gegen das festgelegte Tempo der Kollektivierung und das Prinzip der Freiwilligkeit beim Kolchosenaufbau, in der Zwangsvergesellschaftung der Wohnbauten, des Kleinviehs, des Geflügels usw.) zum Ausdruck gekommen. Der "Führer der Partei" sei jedoch in der Lage gewesen, die entstandene Gefahr rechtzeitig zu erkennen, und habe in seinem Artikel "Vor Erfolgen von Schwindel befallen" diesen "Abweichungen", die gedroht hätten, die "Kolchosenbewegung zugrunde zu richten", eine Abfuhr erteilt.[3]

In der Glossar"Tauwetter"-Periode unter GlossarChruščev und in der Zeit GlossarBrežnevs, wurden Versuche unternommen, die Ereignisse, die mit der Durchführung der Kollektivierung und mit dem Erscheinen des Artikels von I. Stalin zusammenhingen, eingehender zu erforschen. Doch die Sache beschränkte sich im Grunde genommen auf Schlußfolgerungen im Kontext der Kampagne zur Aufdeckung des Glossar"Persönlichkeitskultes". Auf der einen Seite wurde betont, daß Stalins Veröffentlichung "Vor Erfolgen von Schwindel befallen" eine große und positive Rolle spielte, in dem sie Klarheit über die Politik der Partei im Kolchosaufbau schuf, das Prinzip ihrer Freiwilligkeit betonte und administrativen Druck gegenüber den Bauern verurteilte. Man wies darauf hin, daß Stalins Artikel die Parteiorganisationen dazu brachte, begangene Fehler und Verwerfungen im Kolchosaufbau zu revidieren. Auf der anderen Seite wurde festgehalten, daß im Artikel die Gründe für diese Fehler nicht im vollen Ausmaß aufgedeckt wurden und daß die Hauptschuld den lokalen Kadern zugeschoben wurde.[4]

Eine Gesamtdarstellung zur Geschichte der sowjetischen Bauernschaft, die zu Beginn der GlossarPerestrojka erschien, enthielt viel Faktenmaterial zu diesem Thema. Darin wurde auch die Frage nach den negativen Erscheinungen und Tendenzen, die zum Hindernis auf dem Wege der flächendeckenden Kollektivierung wurden, nicht ausgeblendet. Unter diesen wurden genannt: die übermäßige Vergesellschaftung des bäuerlichen Vermögens, darunter des großen und kleinen Rindviehs, die "Gigantomanie" bei der Gründung der Kolchosen und die unbegründete Forcierung des Kollektivierungstempos in den nationalen und den Zuschußgebieten.[5]

In dieser Kollektivmonographie wurden aber keine Dokumente zum Widerstand aufgeführt, den die Bauernschaft gegen die Politik der flächendeckenden Kollektivierung leistete, und es gab außerdem keine statistischen Angaben zu den Repressionsmaßnahmen gegen die "antisowjetischen Elemente" auf dem Dorf, darunter zur Aussiedlung von GlossarKulaken.

In der Zeit der Gorbačevschen Perestrojka und später, in der GlossarEl'cin-Epoche, entfaltete sich die Kampagne, die die stalinschen Methoden des Aufbaus des GlossarSozialismus und der Kollektivierung kritisierte, mit neuer Kraft. In der wissenschaftlichen Literatur, die Ende der 1980er-Anfang der 1990er Jahre erschien, waren unparteiische Äußerungen und direkte Beschuldigungen an Stalins Adresse gang und gäbe: Er habe die Entfesselung eines schweren und langwierigen "Krieges der Regierung gegen die Bauern" initiiert.[6]

Nachdem neue Archivdokumente veröffentlicht worden waren, boten sich neue Möglichkeiten für eine objektivere und tiefere Erforschung der Kollektivierung sowie der Umstände, unter denen Stalins Artikel "Vor Erfolgen von Schwindel befallen" erschien.

Die Ereignisse ergeben folgendes Bild. Nach dem November-Plenum des CK der VKP(b) wurde in der Sitzung des GlossarPolitbüros am 5. Dezember 1929 eine Sonderkommission mit GlossarJa. Jakovlev (seit dem 7. Dezember – GlossarVolkskommissar für Ackerbau der UdSSR) an der Spitze geschaffen, die sich mit Fragen des Kollektivierungstempos in verschiedenen Gebieten der UdSSR und den staatlichen Hilfsleistungen auseinanderzusetzen und eine entsprechende Korrektur des Jahresplans vorzulegen hatte.

Unter den Mitgliedern der Jakovlev-Kommission gab es hinsichtlich des Kollektivierungstempos und der GlossarEntkulakisierungspolitik verschiedene Meinungen. Vertreter von Regionen wie der Unteren Wolga (GlossarB. Šeboldaev) und des Nordkaukasus (GlossarV. Ivanov) sowie des GlossarSNK der RSFSR (GlossarB. Ryskulov) sprachen sich für ein schnelles Kollektivierungstempo aus. Ja. Jakovlev selbst sowie GlossarG. Kaminskij (GlossarKolchoszentrum), GlossarМ. Chataevič (Mittlere Wolga) und GlossarF. Gološčekin (Kasachstan) vertraten eine vorsichtigere Position. Aus dem Entwurf des Beschlusses, den die Kommission in dieser Frage am 18. Dezember 1929 gefaßt hatte, folgte, daß die Vertreter der zweiten Position Oberhand gewannen.

In der Folgezeit wurden jedoch auf Anweisung I. Stalins bedeutende Korrekturen am Entwurf vorgenommen. Als Stalin sich mit dem neuen Dokumententext bekannt machte, war er unzufrieden. Am 25. Dezember fragte er bei GlossarMolotov nach, welcher Meinung er in dieser Frage sei. Beide waren sich einig, daß es notwendig sei, die Fristen für die Kollektivierung in den zentralen Getreidegebieten des Landes kürzer zu setzen, als dies der Beschlußentwurf der Jakovlev-Kommission vorgesehen hatte.

Der Entwurf des CK-Beschlusses, auf Anweisung I. Stalins umgearbeitet, wurde dem Politbüro vorgelegt. Am 4. Januar redigierten ihn Stalin und Jakovlev. Im Dokument wurde die Reduzierung des Kollektivierungstempos in Gebieten wie der Unteren und der Mittleren Wolga und dem Nordkaukasus auf 1 bis 2 Jahre, für die restlichen Getreidegebiete auf 2 bis 3 Jahre vorgesehen. Die Entscheidung über das Schicksal des Kulakentums wurde bis zu ihrer Erörterung durch eine Sonderkommission des Politbüros, die später gegründet wurde, vertagt.

Nachdem Stalin und Molotov den Entwurf der Jakovlev-Kommission nachbearbeitet hatten, wurde er unter Berücksichtigung der Bemerkungen von GlossarRyskulov und Šeboldaev als Beschluß des GlossarCK der VKP(b) "Über das Tempo der Kollektivierung und die Hilfemaßnahmen des Staates für den Kolchosaufbau" am 5. Januar 1930 verabschiedet. Der Beschluß hielt die Partei- und Sowjetmitarbeiter sowie die lokalen Machtorgane dazu an, das Tempo der Kollektivierung und der Entkulakisierung zu forcieren.

Am 15. Januar 1930 nahm eine Kommission des Politbüros mit V. Molotov an der Spitze ihre Tätigkeit auf, die die Maßnahmen bezüglich des Kulakentums auszuarbeiten hatte. Am 26. Januar schlossen ihre Mitglieder die Arbeit am Entwurf eines CK-Beschlusses zu dieser Frage ab. Am 30. Januar verabschiedete das Politbüro einen Beschluß, wonach nicht nur Mitglieder von konterrevolutionären Organisationen und Organisatoren von Terrorakten und antisowjetischen Massenausschreitungen, sondern auch alle "Kulakenelemente" auszusiedeln waren, "bei gleichzeitiger Enteignung des Vermögens und Beschlagnahmung der Produktionsmittel, deren Umfang die zulässige Größe übersteigt". Im Beschluß wurde die Gesamtzahl von 210 000 Familien genannt, die den besagten restriktiven Maßnahmen auszusetzen waren. Den Betroffenen wurde formell gestattet, bis zu 500 Rubel Bargeld pro Familie einzubehalten, in der Praxis jedoch wurde das gesamte Vermögen und Geld enteignet.

Nach der Verabschiedung der Beschlüsse des CK der VKP(b) vom 5. und 30. Januar 1930 wurde die Forcierung des Kollektivierungstempos verstärkt. Vor Ort begann noch vor der Verabschiedung dieses Beschlusses die Entkulakisierung nicht nur der Kulaken, sondern aller vermögenden Bauern. Seit Februar 1930 erhielt sie einen umfassenden Charakter.

Als Antwort auf die Zwangskollektivierung, die von Gewaltmaßnahmen und Repressionen begleitet worden war, organisierten die Bauern offene Massenproteste. Am 20. Februar war das Politbüro zur Einsicht gezwungen, daß in der Sache der Kollektivierung und Entkulakisierung ein zu eiliges Tempo vorgelegt worden war. Gleichzeitig wurde in einem geheimen Beschluß "Über die Kollektivierung und den Kampf gegen das Kulakentum in den wirtschaftlich rückständigen nationalen Gebieten", der am selben Tag verabschiedet wurde, angeordnet, daß erstens, die flächendeckende Kollektivierung auch auf die nationalen Gebiete ausgeweitet wird und daß zweitens, die Maßnahmen zur Liquidierung der Kulaken- und GlossarBajwirtschaften umzusetzen sind.

Im Zusammenhang mit der Vorbereitung auf die Frühjahrsbestellung 1930 kommandierte das CK der VKP(b) GlossarG. Ordžonikidze in die Ukraine ab, schickte GlossarL. Kaganovič an die Mittlere Wolga, GlossarA. Mikojan in den Nordkaukasus, GlossarM. Kalinin in das Zentrale GlossarSchwarzerdegebiet, GlossarS. Syrcov nach Sibirien, GlossarN. Janson in den Ural, Ja. Jakovlev an die Untere Wolga; sie hatten den "Plan zur Bereitstellung des Saatguts" sicherzustellen. Nachdem sie von der Dienstreise zurückgekehrt waren, erklärten die CK-Bevollmächtigen Kalinin, Ordonikidze, Janson u.a. in der Tagung vom 24.-25. Februar 1930, daß sich der Kollektivierungsprozeß ohne Auffälligkeiten entwickelte. Gleichzeitig wiesen sie darauf hin, daß – obwohl es zu ernsthaften Übertreibungen nicht gekommen sei – bei der Vergesellschaftung des Vermögens Mißbrauch zugelassen wurde, weil die Mitarbeiter der untersten Ebene im großen und ganzen durch das Zentrum falsch angewiesen worden waren.

Am 25. Februar 1930 wurde das Projekt eines Kommissionsbeschlusses "Über die Organisation der Frühjahrsbestellung und weitere Maßnahmen zur Kollektivierung und Liquidierung des Kulakentums", das von der Syrcov-Kommission vorbereitet worden war, an das Politbüro weiter geleitet und dort genehmigt. Sein Text wurde jedoch nicht vollständig veröffentlicht. Der Teil des Beschlusses, der die Maßnahmen zur Verstärkung der Vorbereitung auf die Frühjahrsbestellungskampagne betraf, erschien in den Zeitungen als Beschluß des GlossarSNK der UdSSR. Ein anderer Teil – über die Kollektivierung und Liquidierung des Kulakentums in jenen Gebieten, die auf die Zufuhr agrarischer Produkte angewiesen waren, – wurde an die entsprechenden Parteikomitees als Beschluß des CK der VKP(b) verschickt.

Indes ging der massenhafte Bauernprotest fast durchgängig in Aufstandsbewegungen über. Über 70% aller Bauernproteste, die 1930 stattfanden, hatten hierin ihren Grund. 72,5% von der Gesamtzahl der Aufstände fanden in den ersten drei Monaten des Jahres 1930 statt.

Sie wurden zur Gefahr für den Fortbestand der Sowjetmacht selbst. Unter diesen Rahmenbedingungen wählte die Staats- und Parteiführung eine Taktik des Manövrierens, um den politischen Spannungen die Schärfe zu nehmen. Am 28. Februar beauftrage das Politbüro des CK der VKP(b) eine Kommission, die sich aus Syrcov, Stalin, Molotov, GlossarVorošilov, Kalinin, GlossarRykov, Mikojan, Jakovlev und GlossarJurkin zusammensetzte, den Text des Musterstatuts des landwirtschaftlichen GlossarArtels schnell zu redigieren und ihn am 2. März zu veröffentlichen. Die Arbeit am Musterstatut hatte schon gegen Ende 1929 begonnen. Am 28. Dezember hatte das Kolchoszentrum dem GlossarVolkskommissariat für Ackerbau der UdSSR (Narkomzem) einen Statutsentwurf vorgelegt, der jedoch nicht angenommen worden war. Am 14. Januar 1930 war eine neue Version des Statuts auf der Allunionstagung, die sich aus Vertretern der Gebiete der flächendeckenden Kollektivierung zusammengesetzt hatte, diskutiert worden. Nach einer weiteren Nacharbeitung genehmigte das Narkomzem dieses Statut als Mustervorschlag, wonach sich die Kolchosen bei der Verfassung der eigenen Statute zu richten hatten.

Am 21. Januar schickte Ja. Jakovlev den Text des Statuts an I. Stalin, V. Molotov, L. Kaganovič und M. Kalinin. Er wurde nach Stalins (Rand)Bemerkungen sofort umgearbeitet und am 6. Februar veröffentlicht.

In der Sitzung des Politbüros am 28. Februar 1930 wurde I.V. Stalin beauftragt, mit einem Artikel, der gegen Verfehlungen bei der Kollektivierung gerichtet war, in der Presse Stellung zu beziehen. Am 2. März erschien dieser Artikel, der den Titel "Vor Erfolgen von Schwindel befallen" trug, in der "Pravda".

Vladimir Nevežin

(Übersetzung aus dem Russ. von L. Antipow)

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