Zusammenfassung Rede von Helke Sander (Aktionsrat zur Befreiung der Frauen) auf der 23. Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) am 13. September 1968 in Frankfurt/Main / Bayerische Staatsbibliothek (BSB, München)

Rede von Helke Sander (Aktionsrat zur Befreiung der Frauen) auf der 23. Delegiertenkonferenz des "Sozialistischen Deutschen Studentenbundes" (SDS) am 13. September 1968 in Frankfurt/Main

Zusammenfassung

Am Ende der 1960er Jahre formierte sich in der Bundesrepublik die sog. Neue Frauenbewegung. Im Gegensatz zur Ersten oder "Alten" Frauenbewegung, die durch ihr Engagement im Kaiserreich und in der Weimarer Republik die Grundlagen für die rechtliche und politische Gleichstellung von Frauen in Deutschland gelegt hatte, zielten die Aktivitäten der aus der 68er-Studentenbewegung hervorgegangenen Neuen oder "Autonomen" Frauenbewegung auf eine grundsätzliche Umgestaltung der patriarchalischen Geschlechterordnung. In ihrer später berühmt gewordenen Rede verlangte die damalige Sprecherin des "Aktionsrates zur Befreiung der Frauen", Helke Sander, am 13. September 1968 auf der 23. Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) die Politisierung des Privatlebens. Damit wurde erstmals die Forderung nach der Erweiterung des herkömmlichen Politikbegriffs durch die Einbeziehung der Erfahrungen und Bedürfnisse von Frauen und Müttern formuliert. Ein Hauptanliegen der Neuen Frauenbewegung im Kampf um die Rechte der Frauen war seit den frühen 1970er Jahren die Legalisierung der Abtreibung. Große mediale Aufmerksamkeit erregte dabei die von der Journalistin Alice Schwarzer am 6. Juni 1971 nach französischem Vorbild in Westdeutschland initiierte Selbstbezichtigungsaktion "Ich habe abgetrieben" gegen den § 218 des bundesdeutschen Strafgesetzbuches, der die Abtreibung unter Strafe stellte. Mit dieser Formierungs- und Mobilisierungskampagne gelang es, einerseits die zuvor nur punktuellen Fraueninitiativen zu gemeinsamen Aktivitäten zu bündeln, andererseits Einfluss auf die Reform des Abtreibungsrechts unter der sozialliberalen Koalition zu nehmen. Schließlich schaffte es die Neue Frauenbewegung, das Thema Frauenemanzipation insgesamt auf die gesellschaftliche und politische Agenda zu setzen und in der Bundesrepublik für einen breiten Bewusstseinswandel zu sorgen.

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